Ich bin ein moderner Vater

01.07.2017

Es wird einiges darüber geschrieben und ob ich will oder nicht, kann ich dem Begriff, den irgendjemand in einer Marketing-Aktivitäten Runde eingeworfen hat, nicht ausweichen.

Auch wenn ich noch in den Anfängen dieses Blogs stecke und auch nicht genau weiss, ob ich tatsächlich in den Rahmen des "modernen Vaters" passe, möchte ich über dieses Thema schreiben.

 

Meine Frau und ich wollten Eltern werden (das heisst: wir BEIDE). Was das Eltern-Werden und vor allem Eltern-Sein ganz genau bedeutet und wie es unser Leben auf den Kopf stellen wird, wussten wir nicht ganz genau. Meine Frau wusste aber eins: Wir müssen uns einig sein in der Erziehung - also zumindest versuchen. Es beschäftigten uns Fragen wie: Worauf legen wir wert? Wer übernimmt welche Aufgaben, bzw. können wir uns Aufgaben teilen? Was ist uns in der Erziehung wichtig? Und die Frage aller Fragen, wie soll das Kind heissen? Und natürlich viele viele mehr..

 

Grundsätzlich möchte ich an dieser Stelle meiner Frau ein grosses Dankeschön aussprechen, dass sie diesen und vielen anderen Themen den Stupser gab. Denn seien wir mal ehrlich, die Frau und das ist jetzt unbestritten, befasst sich mit "diesen" Themen ab dem Moment, in dem sich ihr Körper anfängt zu verändern (manche sogar auch etwas vorher). Und Du als Mann stehst da, bist noch nicht bereit (keine Angst, Du wirst es nie sein:-) und versuchst dich zusammen zu reissen um nichts falsches zu sagen, Ruhe und Geduld zu bewahren und ihr Mut zu machen - "es chunnt alles guet".

In der Schwangerschaft verändern sich die Frauen. Von der einen auf die andere Sekunde ist ihr schlecht und dann wieder nicht. Dann kommt die Lust nach einem speziellen Lebensmittel oder die Stimmung wechselt ins überglückliche und vieles mehr. Sie darf das. Deine Aufgabe als werdender Vater ist es, deine Frau zu unterstützen, mit all deinen Möglichkeiten. Dein Job ist so anstrengend und Du bist nach der Arbeit immer müde und magst dir nicht anhören, wie der Tag deiner schwangeren Frau war? Slap - 1. Ohrfeige! Hab immer ein Ohr für die Frau, die ein Lebewesen im Bauch trägt, welches ihr (im ideal Fall) gemeinsam zeugen durftet und konntet. Und schenke ihr den allergrössten Respekt. Der Körper verändert sich innerlich und auch äusserlich, die Hormone spielen verrückt und dann doch wieder nicht. Und dann stell dir mal vor, eine höhere Macht entscheidet, dass dein Kind einen Geburtsfehler hat, oder zwölf Finger haben wird oder gar frühzeitig in den Himmel kommt. Wenn Du all deine Gefühle, die in deinem Flankenfuss und deiner Handwerkerhand und deinem Waschbrettbauch zusammen nimmst und vielleicht sogar in die Gefühle deiner Triathlon-Wade hinzufügts, kannst Du dir nicht vorstellen, wie schuldig sich eine Frau fühlen kann. Wenn sie sich so vielen Veränderungen stellen muss, sie aber nicht viel dagegen machen kann. (ausser natürlich Verzicht auf Alkohol und Nikotin).

 

Dann ist das Kind da (Du bist hoffentlich bei der Geburt dabei, sonst Hä, schliiifts?) und Du heulst oder lachst und bist unendlich glücklich, endlich das Gesicht deines Kindes zu sehen. Und was nun? Nach drei, (fucking) DREI Tagen pfeift dich dein Chef und der ChefChef zurück in die Bude, Bank, Beiz oder einfach in den Betrieb zurück. Weil Du als Vater einfach nicht mehr Zeit zur Verfügung gestellt bekommst (ich hatte das Glück von zwei Wochen Vaterschaftsurlaub). Zurück im Betrieb wirst Du für das was deine Frau erreicht hat beglückwünscht und Du kannst es nicht einordnen. Wie auch? Zu Hause bist Du klar die Nummer 2, klar! Und auf der Arbeit hast Du alles noch ziemlich gut im Griff. Vielleicht schläfst Du zu Hause sogar durch und bekommst nicht mit, dass deine Frau im 1 1/2 h Rhythmus euer Kind stillen muss.

 

 

 

Trotzdem rate ich dir: sei da und höre zu und laufe zur Tankstelle oder renne in die Stadt und besorg das, was deine Frau möchte, bereite Essen zu und versuch deinen Chef zu überzeugen, dass Du gewisse Arbeiten auch von zu Hause erledigen kannst. In den ersten Wochen und vielleicht sogar Monaten wirst Du zu Hause keine klare Rolle haben aber Du bist als Springer die wichtigste Stütze deiner Frau. Lerne von ihr, schau ihr über die Schultern, lese Blogs, ein paar wenige Bücher und vertraue dir selbst - das hast Du ja ca. neun Monate zuvor auch gemacht.

 

Nimm dir Zeit für die junge Familie, beobachte und höre zu. Du wirst schnell merken, dass es gar nicht so ist, wie Du es dir vorgestellt hast. Es ist viel schöner, viel viel viiiiiiel anstrengender und viel emotionaler. Es hat sich was verändert. Vielleicht hast Du dich auch verändert? Vielleicht muss eine weitere Veränderung her? Vielleicht sagst Du dir manchmal: Ich will mein altes Leben zurück? Keine Sorge, das kommt immer wieder und kommt bei den Besten vor. Vielleicht hast Du deine Vorgesetzten überzeugt oder liesst diesen Text als Vorgesetzter und überzeugst deine Mitarbeitenden, dass die Zeit mit der Familie sehr wichtig ist. Die meisten Arbeitsabläufe kann verbessern und noch mehr Zeit einsparen.

 

Also wie wärs also mit einem Bonus-Model in dem man für jeden Arbeitsablauf verbessert hat, Zeit geschenkt bekommt??

 

Vielleicht liegt kein zweites oder drittes Auto mehr drinnen und die verlängerten Wochenenden nach Flims, Ascona oder nach Estavayer finden auch nicht mehr so regelmässig statt. Aber mit mehr Zeit für deine Familie lernst Du deine Frau und vor allem euer Kind besser kennen. Dein Kind und deine Frau lernen dich auch besser kennen. Du kannst eine Beziehung aufbauen und eine neue Beziehung gedeihen lassen. Dein Kind wird es dir ganz, ganz bald danken, mit Reaktionen, Bewegungen, Mimik, die Du bisher nicht für möglich gehalten hast.

 

Dein Leben beginnt hier neu. Du hast eine wichtige Aufgabe war genommen. Deine Work-Life Balance gewinnt an Bedeutung. Dein Leben an Sinn. Dein Kind spürt beide Elternteile. Aber Du bist ein ganz wichtiger Teil des jungen Lebens und das von Anfang an - schneller als manchem genehm ist. Tja. So ist es jetzt, mach das Beste draus und nimm dir Zeit.

 

Ich mach das so und darum bin ich ein moderner Vater :-)

 

..stay tuned!

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